WiENER ROBOTiCS WISSEN
FTS, AGV oder AMR – was ist der Unterschied?
In der innerbetrieblichen Logistik begegnen sich die Begriffe fahrerloses Transportsystem, Automated Guided Vehicle und autonomer mobiler Roboter beinahe täglich – häufig synonym verwendet, obwohl sie technisch nicht dasselbe meinen. In Ausschreibungen, Projektgesprächen und Suchanfragen werden FTS, AGV, FTF und AMR regelmäßig vermischt, was die Auswahl der richtigen Technologie erschwert. Dieser Beitrag ordnet die zentralen Begriffe sachlich ein, erläutert die technischen Unterschiede zwischen spurgeführten und autonom navigierenden Fahrzeugen und zeigt, welche Lösung sich für welche Aufgabe in Lager, Produktion und Versand eignet. Ziel ist eine verständliche Orientierung, bevor konkrete Anforderungen an ein automatisiertes Transportsystem definiert werden.

Warum FTS, AGV und AMR häufig verwechselt werden
Die Verwirrung hat vor allem sprachliche Gründe. Für mobile, automatisierte Fahrzeuge existiert keine einheitliche Bezeichnung; gebräuchlich sind neben FTS und AMR auch Begriffe wie Mobilroboter, Transportroboter, Logistikroboter oder mobile Plattformen. Der jüngere Ausdruck autonomer mobiler Roboter wirkt dabei moderner als der ältere Begriff fahrerloses Transportfahrzeug, beschreibt jedoch nicht automatisch eine grundlegend andere Maschine. Hinzu kommt, dass die Grenzen zwischen den Technologien zunehmend verschwimmen: Viele Anbieter führen Plattformen, die je nach Anwendung fest vorgegebenen Routen folgen oder vollständig frei navigieren. Um die Begrifflichkeiten transparenter zu fassen, arbeitet der zuständige Fachausschuss des VDI derzeit an einem Leitfaden zum Thema Autonomie. Eine saubere Einordnung der Begriffe ist deshalb der erste Schritt zu einer fundierten Technologieentscheidung.
FTS und AGV: gleiches Prinzip, unterschiedliche Bezeichnung
Im Kern geht es um die Unterscheidung von System und Fahrzeug. Das fahrerlose Transportsystem (FTS) bezeichnet die Gesamtanlage, während das einzelne Fahrzeug als fahrerloses Transportfahrzeug (FTF) gilt; die englische Entsprechung dazu lautet Automated Guided Vehicle (AGV). FTS und AGV beschreiben somit kein gegensätzliches Konzept, sondern weitgehend dasselbe Prinzip in deutscher und englischer Sprache. Ein FTF ist ein flurgebundenes Fördermittel mit eigenem Fahrantrieb, das automatisch gesteuert und berührungslos geführt wird; mehrere dieser Fahrzeuge bilden zusammen ein FTS. Nach der Richtlinie VDI 2510 besteht ein solches System im Wesentlichen aus den Fahrzeugen, einer Leitsteuerung, Einrichtungen zur Standortbestimmung und Datenübertragung sowie der zugehörigen Infrastruktur. Für die herstellerübergreifende Steuerung beschreibt der Standard VDA 5050 die Schnittstellen zwischen Leitebene und Fahrzeugen.
AMR: der zentrale Unterschied zum klassischen FTS
Der wesentliche Unterschied liegt in der Navigation. Klassische FTS sind spurgeführt: Sie folgen vorgegebenen physischen oder virtuellen Bahnen wie Magnetbändern, Induktionsschleifen oder einer Reflektortriangulation und nutzen damit eine fest installierte Infrastruktur. Erkennt ein Sicherheitssensor ein Hindernis auf der Spur, hält das Fahrzeug an und wartet, bis der Weg wieder frei ist. Autonome mobile Roboter stammen dagegen aus der mobilen Robotik und navigieren flexibel ohne zusätzliche Leitlinien. Sie arbeiten mit SLAM-Navigation (Simultaneous Localization and Mapping), erstellen virtuelle Karten ihrer Umgebung und passen ihre Route dynamisch an. Innerhalb eines definierten Bereichs bewegen sie sich frei, erkennen feststehende und bewegliche Hindernisse und umfahren diese eigenständig. Da bei Änderungen lediglich die digitale Karte angepasst werden muss, lassen sich Layoutanpassungen ohne neue physische Leitlinien umsetzen.
Autonome Stapler als eigene Kategorie
Eine besondere Rolle nehmen autonome Stapler ein, weil sie über eine eigene Lastaufnahme verfügen. Als automatisierte Flurförderzeuge nehmen sie Paletten, Gitterboxen und andere Ladungsträger selbstständig auf, transportieren sie und setzen sie wieder ab; kennzeichnend ist die Kombination aus präziser Navigation und automatischer Lasthandhabung. Technisch ist der fahrerlose Stapler eine Bauform des Transportfahrzeugs, neben fahrerlosen Hubwagen, automatisierten Schleppern und Unterfahrfahrzeugen. Ein autonomer Stapler vereint Fahrgestell, Steuerungsrechner, Elektroantrieb, Energiequelle, ein Lastaufnahmemodul wie Gabelzinken sowie sicherheitsrelevante Sensorik. Auch Gegengewichts-Hochhubwagen für freitragende Lasten zählen dazu und können Ladungsträger direkt vom Boden aufnehmen. Im Außenbereich überwachen Safety-Scanner den Arbeitsraum, erzeugen Warn- und Schutzfelder und stoppen das Fahrzeug, sobald eine Person den geschützten Bereich erreicht.
Typische Einsatzbereiche in Lager, Produktion und Versand
In der Praxis automatisieren fahrerlose und autonome Systeme den innerbetrieblichen Materialfluss über Wareneingang, Lagerung, Produktionsversorgung und Versand hinweg. Typische Aufgaben sind der Transport zwischen Stationen, die Versorgung von Maschinen sowie die Kommissionierung, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich. Bewegt werden unterschiedliche Ladungsträger wie Paletten, Kleinladungsträger, Behälter und Kartons ebenso wie Rohstoffe, Halbfertig- und Fertigprodukte. In der Lagerhaltung übernehmen die Fahrzeuge Ein- und Auslagerung, im Versandhandel die Belieferung von Verteilzentren und in der Fertigung den Transport von Bauteilen entlang der Linie. Verbreitet sind Routenzug- beziehungsweise Milkrun-Systeme sowie die Ware-zur-Person-Bereitstellung. Unterfahrfahrzeuge fahren unter Regale oder Wagen, heben diese leicht an und eignen sich für dynamische Kommissionierzonen, während Stapler-Fahrzeuge auch schwerere Paletten zuverlässig bewegen.
Orientierung mit Wiener Robotics: welche Lösung passt zu welchem Einsatz
Die Wahl hängt von den Anforderungen und den Gegebenheiten vor Ort ab; eine Einheitslösung gibt es nicht. Spurgeführte FTS spielen ihre Stärken aus, wenn große Lasten auf gleichbleibenden Strecken bewegt werden, der Materialfluss einem festen Takt folgt und die Umgebung geordnet ist. Autonome mobile Roboter eignen sich, wenn hohe Flexibilität gefragt ist, sich Layouts häufig ändern oder Menschen und manuelle Stapler im selben Bereich arbeiten – und wenn schrittweise ohne bauliche Eingriffe skaliert werden soll. Mehr Autonomie ist dabei kein Selbstzweck, sondern dann sinnvoll, wenn die Anwendung sie erfordert. Voraussetzungen sind ein stabiles Funknetz, eine saubere Anbindung an das Lagerverwaltungssystem, eine geeignete Bodenbeschaffenheit und klar abgegrenzte Prozesse. Für die Sicherheit gilt die Norm ISO 3691-4 mit Funktionen wie Personenerkennung und Not-Stopp.
Welche Technologie im Einzelfall trägt, zeigt sich meist erst bei der Analyse des konkreten Materialflusses und der bestehenden Prozesse. Genau hier setzen wir bei Wiener Robotics an: Er verbindet autonome Stapler, mobile Transportroboter sowie Software und Flottenmanagement mit Beratung, Integration und laufender Betreuung. Im Vordergrund steht nicht das einzelne Fahrzeug, sondern die Frage, wie sich fahrerlose Transportsysteme, autonome mobile Roboter und vorhandene Flurförderzeuge zu einem stimmigen Gesamtkonzept verbinden lassen. Eine systematische Potenzialanalyse der Intralogistik unterstützt dabei, geeignete Einsatzbereiche zu identifizieren und die Automatisierung wirtschaftlich nachvollziehbar einzuführen. So lässt sich aus der begrifflichen Klarheit über FTS, AGV und AMR eine konkrete, an den eigenen Materialfluss angepasste Lösung ableiten.

